Auf einen Kaffee mit ...

... Judith Möhlenhof

Podcasterin – Autorin – Mama – Bloggerin – Social Media Expertin  - Redakteurin

neugierig – wortverliebt – mitfühlend – hilfsbereit – kreativ

 

Liebe Judith, du hast für uns  vor einiger Zeit die neue Website kreiert. Du hattest damals schon deinen Blog „Judetta“ mit großer Community und gerade mit dem „Mamsterrad“-Podcast zusammen mit deiner Freundin, Mama-Coach Imke Dohmen, begonnen. Nun sind fast 3 Jahre vergangen und es hat sich viel in deinem Leben getan. Euer Podcast ist richtig erfolgreich und jetzt habt Ihr auch noch ein Buch veröffentlicht. Wie kam das überhaupt zum „Mamsterrad“?

Imke und ich haben uns kennengelernt, weil ich über ein Wochenende berichtet habe, das sie veranstaltet hatte.  Wir haben gleich gemerkt, dass wir total viele Parallelen haben, dass ganz viel in unserem Leben komplett gleich abgelaufen ist, wobei Imke immer drei Jahre Vorsprung hat. Daher hatten wir gleich einen Draht zueinander und haben uns dann regelmäßig getroffen. Sie hat mir „mich und mein Kind“ erklärt. Ich habe das dann total verstanden, als sie vor mir saß, aber als ich es dann zuhause erzählen wollte, kam dann oft nur „Äh, was hat sie noch mal gesagt??“. Aus Spaß habe ich ihr dann gesagt: „Irgendwann nehme ich dich auf.“ Und dann haben wir überlegt, wie wir es nennen: „Ja, irgendwas mit Hamsterrad, aber es ist ja kein Hamsterrad, sondern ein Mamsterrad!“. Wie alles, was mit dem Buch und dem Podcast zusammenhängt – es findet uns und nicht umgekehrt!

Euer Podcast läuft jeden Sonntag für 15 Minuten? Gehen Euch da nie die Themen aus?

Ja, tatsächlich jeden Sonntag – wir sind jetzt bei über 140 Folgen. Die Themen wachsen ja nach im eigenen Haushalt. Und dadurch, dass wir so eine große Community haben, können wir mittlerweile auf einen Fragenkatalog zurückgreifen, der schon das ganze nächste Jahr füllen würde. Vor Corona haben wir immer so vier, fünf Folgen am Stück aufgenommen, aber mit Corona haben wir gemerkt, dass bei den Mamas ganz viel aktueller Bedarf ist, da diese neue Situation so schwierig war. Wir haben dann angefangen, aktueller auf die Themen einzugehen.

Ist Euer Buch „Gemeinsam aus dem Mamsterrad“ quasi ein geschriebener Podcast? Wie kam es dazu, dass Ihr ein Buch daraus gemacht habt?

Das Buch ist dem Podcast vom Ablauf her ähnlich. Es ist so aufgebaut, dass sich die erste Hälfte mit dem ganzen Prozess des Mutterwerdens befasst. Es wäre schon gut, wenn man das im Stück einmal durchliest. Aber alles, was in der zweiten Hälfte kommt – das ist ja gegliedert nach dem Tagesablauf: morgens, mittags, abends – kann unabhängig voneinander gelesen werden. Du kannst ins Inhaltsverzeichnis gucken und sagen: „Das beschäftigt mich gerade“ und dieses Kapitel für sich lesen, ohne dass du wissen musst, was vorher steht. So ist ja der Podcast auch. Ich habe mal gesagt, dass es „snackable“ ist. Denn, wenn wir ehrlich sind – wann können Mütter denn in Ruhe ein Buch lesen? Uns war es wichtig, dass es nicht ein weiteres „To do“ ist, sondern wirklich ein Hilfsmittel, ein Begleiter, wo man wirklich mal reingucken und dann wieder zur Seite legen kann, ohne den Anspruch „Ich muss das jetzt von vorne bis hinten durcharbeiten.“

Für wen ist das Buch? Wer sollte es lesen?

Gedacht ist es für Eltern mit Kindern bis zum 5. Geburtstag - und für alle anderen auch. Die Situationen, mit denen wir in die Kapitel einsteigen, beschreiben vorrangig das Leben mit kleineren Kindern. Aber es ist im Prinzip auch für Mütter mit nicht mehr ganz so kleinen Kindern so bis zum Grundschulalter. Bei den größeren hast du dann andere Themen. Und wer es darüber hinaus liest und daraus Mehrwert zieht – ich freue mich über jeden, der es liest! 

Werdet Ihr nicht oft gefragt „Und was ist mit den Papas?“

Das werden wir ständig gefragt. Wir schließen ja niemanden aus, wir richten uns nur an eine spezielle Gruppe. Wir selbst hätten damals, als unsere Kinder klein waren, jemanden gebraucht, der uns anspricht und abholt. Und das wollten wir jetzt bieten. Wir kriegen mit, dass die meisten Themen sowohl was die Kindererziehung betrifft als auch was das Hadern mit sich selbst – „Bin ich eine gute Mutter?“ – „Mache ich das alles richtig?“ – „Reiche ich aus?“ – hauptsächlich Themen von Müttern sind.

Das glaube ich nämlich auch, dass Väter anders damit umgehen können.

Die meisten haben aber auch einfach kein Vorbild gehabt. In der Generation unserer Eltern war es hauptsächlich so und laut Statista ist es ja auch heute noch so, dass rund 94 % der Väter, aber nur 34 % der Mütter in Vollzeit arbeiten. Zwangsläufig ist also der Vater  weniger involviert in die Kinderbetreuung. Natürlich gibt es Gott sei Dank schon viele Familien mit anderer Aufteilung, aber oft müssen die Väter sich das mühsam selbst beibringen oder mit den Müttern als Einarbeitung zur Seite. Der eigene Vater hat es ihm oft anders vorgelebt - woran soll er sich nun also orientieren? Wie oft werden Mütter gefragt „Mama, weißt du, wo dies, das , jenes ist?“ Oder, dass du als Mutter einfach im Blick hast, wann die Kinder  beispielsweise die nächste Schuhgröße brauchen. Warum denn? Schlichtweg, weil wir es nicht anders gelernt und übernommen haben, weil wir es einfach machen. Es drängt sich ja auch niemand auf: „Bitte lass mich dieses Mal die Kinderschuhe kaufen“, leider! Aber es gehört einfach so viel Gespräch dazu, und wir Mütter müssen lernen, auch „einfach“ loszulassen, zu vertrauen und die Verantwortung zu teilen.

Das ist ja auch die andere Seite, dass wir Mütter das vermeintlich besser wissen und besser können.

Vermeintlich, genau. Wir haben einfach inzwischen einen Vorsprung, den wir uns nach der Geburt unserer Kinder erarbeitet haben. Und dann wollen wir „plötzlich“ abgeben, weil es zu viel wird, können aber nicht gut damit leben, dass beispielsweise die Schuhe, die der Papa gekauft hat,  optisch unseren Ansprüchen nicht gerecht werden, was wir natürlich auch kundtun. Das ist für beide Seiten anstrengend und ein langer Prozess, und der ist wahrscheinlich auch nie zuende.

Was mir so gut an dem Buch gefällt, ist einmal die direkte und sehr warmherzige Sprache. Ich fühle mich als Leserin sofort sehr verstanden und tatsächlich eher so, als ob ich mit einer Freundin einen Kaffee trinken würde. Man merkt, dass Ihr die beschriebenen Situationen sehr gut kennt, Ihr schreibt nicht „vom hohen akademischen Sockel“ herab. Was ich außerdem so gut finde ist, dass Ihr die Kinder so entlastet und den Druck auf die Mütter rausnehmt. Ich glaube, da fühlt sich jede angesprochen und abgeholt.

Das ist genau so gewollt, denn ich finde, man braucht keinen Ratgeber, der nur verrät, wie es theoretisch geht. Denn wenn es bei dir, in deiner eigenen, individuellen Familie oder Situation nicht so klappt, bist du halt am Ende frustriert. Und niemand macht sich die Mühe, beide Seiten zu beleuchten. Nehmen wir das Beispiel an der Supermarktkasse: Natürlich ist es total nervig, wenn dein Kind in der Schlange vor der Kasse einen Totalausfall bekommt und richtig rumwütet. Viele Ratgeber erklären dann, woran es beim Kind liegt, und das ist auch gut so. Aber das ist es ja nicht allein, denn die Situation macht ja auch etwas mit uns – zum Beispiel fühlen wir uns unwohl, wenn die anderen in der Schlange komisch gucken oder mit den Augen rollen. Es geht also nicht allein um die Entwicklung des Kindes, sondern immer auch um unsere eigene Prägung. Genau das wollten wir eben auch abbilden.

Was ich so schön finde, ist, dass Ihr ja ganz deutlich sagt: „ Das Kind macht es nicht, um dich zu ärgern“.

Das gilt für Große ja übrigens auch. Das ist einer von Imkes Lieblingssprüchen „Das passiert nicht gegen dich, sondern für dich“ –  und passt auch gut zu Partnerschaften, zu Freundinnen…

… auch zur blöden Kassiererin im Supermarkt

… oder wenn die Freundin absagt und du hattest dich schon so auf das Glühweindate gefreut und denkst auch erst einmal „Ach Mann, wie doof“. Dass sie das aber vermutlich nicht tut, weil sie keine Lust, sondern vielleicht gerade  ganz andere Sorgen hat, geht dann unter. Dabei hilft dieser Gedanke dann total.

Ist ein gedrucktes Buch überhaupt noch zeitgemäß?

Ich finde, nicht dass das eine das andere ersetzen sollte, sondern dass sich beides ganz wunderbar ergänzt, weil die Anwendungssituationen ja auch anders sind. Du schaffst es mit ganz kleinen Kindern, die du viel mit dem Kinderwagen durch die Gegend schiebst, eher mal etwas zu hören als ein Buch zu lesen. Und anders herum kann so ein Buch auch eine Gedankenstütze sein. Wir haben ja auch viel Platz gelassen, damit du deine eigene Gedanken eintragen kannst. Und weißt du, was ich auch gehört habe? Man kann das total gut mit einem Lesezeichen versehen oder an der entsprechenden Stelle aufgeschlagen liegen lassen – wurde uns zugetragen.

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Foto: Anja Jung

Foto: Judith Möhlenhof

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Foto: Oliver Reetz

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Foto: Oliver Reetz

Ihr richtet euch an Eltern mit Kindern bis zu 5 Jahren und sprecht in allen Kapiteln, das merkt man, aus eigener Erfahrung. Eure Kinder werden älter – können wir uns vielleicht auf eine Fortsetzung für das Schulkindalter freuen?

Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Wir wünschen es uns, das nächste Buch darf sich an Eltern mit Kindern in der Wackelzahnpubertät richten. Da hast du dann nicht mehr Themen, dass der „Paw-Patrol-Pulli“ in der Wäsche ist, aber dein Kind jetzt ausschließlich diesen einen anziehen will. Da hast du dann vielleicht Themen wie „Nein, Mama!“ zu allem, was du vorschlägst. Wenn die Kinder in der Lage sind, auch mit Argumenten dagegen zu halten, eröffnet sich plötzlich ja noch einmal eine ganz andere Welt. Da sind dann die Situationen anders, aber die Reflektion bleibt ja bei der Mutter und damit ist es wieder für alle Mütter einsetzbar. Wir sind also in der Planung, nicht für 2022, aber vielleicht dann im Jahr danach.

Wie lange hat es überhaupt gedauert von der Idee „Jetzt machen wir ein Buch“ bis zu dem Moment, wo du es im Buchladen gesehen hast?

Tatsächlich kam der Verlag auf uns zu. Wir hatten zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht darüber nachgedacht, ein Buch zu schreiben. Aber wir hatten mit der Zeitschrift „Leben & Erziehen“ schon ein relativ großes Interview geführt, das kam sehr gut an,  und so wurden wir gefragt, ob wir uns vorstellen könnten, zusammen ein Buch an den Start zu bringen. Und dann rief der Verlagsleiter wirklich an und wir haben uns ein grobes Konzept überlegt. Das war so ungefähr im November/Dezember 2020. Im März haben wir dann angefangen zu schreiben, im Juni war es fertig und am 1. Oktober wurde es veröffentlicht.

Ging das alles problemlos in Corona-Zeiten?

Gibt es das überhaupt, „problemlos in Corona-Zeiten“? Wir hatten tatsächlich eine Klausel im Vertrag, dass wir bei Lockdown o.ä. das Timing noch mal nach hinten ziehen können. Denn mit zwei kleinen Kindern zuhause war das halt sehr schwierig. Aber wir hatten das große Glück, eine Wohnung in Travemünde nutzen zu dürfen, in die wir uns an vier Wochenenden verziehen konnten und haben da dann immer von Freitag bis Sonntag geschrieben. Ich habe dann allerdings die Nachbereitung etwas unterschätzt, es ging dann ja noch ins Lektorat. Aber wir haben es fristgerecht wie geplant geschafft – okay, mit ein paar Nachtschichten.

Du bist ja außerdem sehr präsent in den Social Media und legst einen großen Teil deines Privatlebens offen. Wie gelingt es dir da, die Grenze zu ziehen?

Ich mache das nach Gefühl. Es gibt für mich nicht das eine Regelwerk, an dem ich mich entlang hangele, sondern ich überlege, ob ich das auch einem Bekannten auf der Straße erzählen könnte und welche Aussage ich überhaupt treffen will. Ich würde z.B. nie meine Kinder darstellen, die zeige ich nicht. Ich würde sie auch nicht in Situationen beschreiben, die ihnen unangenehm sein könnten. Es gibt ja auch Eltern, die unangebrachte, sehr private Bilder posten, Bilder von intimen Momenten. Meine Kinder haben eine Privatsphäre und die wahre ich. Wenn es allgemeine Themen wie „Lange Haare bei Jungs“ oder „Adventskalender-Struggle“ sind, dann kann ich darüber erzählen. Ich würde meine Kinder aber nie in einer Situation ablichten, in denen es ihnen nicht gut geht, wenn sie wütend oder verzweifelt sind. Aber es gab auch mal eine Zeit, als wir uns an den Tisch gesetzt haben, da haben meine Jungs gesagt: „Hände weg! Mama muss erst das Essen fotografieren!“

Du bekommst sicher viele Rückmeldungen, wahrscheinlich überwiegend positive. Hast du da aber auch mal richtig blöde Erfahrungen gemacht?

Natürlich ist immer mal jemand dabei, dem etwas nicht passt, der eine andere Meinung hat oder der einen nicht so freundlichen Kommentar dalässt. Aber dadurch, dass ich so ehrlich berichte, bekomme ich diesen Hass, der sich gegen das Perfekte richtet, glücklicherweise gar nicht ab. Es sagt ja keiner: „Wie blöd bist du denn, dass du dazu stehst, dies, das oder jenes mal nicht zu schaffen?“ Im Gegenteil, meine Community fühlt sich  eher bestätigt, verstanden und abgeholt. Deshalb haben wir sowohl auf meinem Blog Judetta.de als auch beim Mamsterrad ganz, ganz selten Negativkommentare.

Wie groß ist der Druck, immer wieder neuen Content zu liefern? Wie sehr stresst dich das? Oder macht es dir immer nur Spaß?

Das ist tatsächlich schwierig. Bei Podcasts gibt es ja ein bestimmtes Thema, mit dem wir uns in einer Woche befassen, um das es sich auch den Rest der Woche gut drehen kann. Dafür gibt es bei uns eine Redaktionsplanung, die wir gemeinsam besprechen. Bei mir selbst ist es so, je lauter und wilder mein Leben gerade ist, desto weniger schaffe ich es, Episoden daraus zu teilen, weil andere Dinge dann meine volle Aufmerksamkeit verlangen. Ich merke aber tatsächlich, wenn ich eine Weile weniger poste, dann sackt auch gleich die Reichweiten wieder weg. Aber ich versuche gerade, mich genau davon frei zu machen, weil es mir ja noch Spaß machen soll. Mein Profil – meine Party! Deswegen möchte ich gerne die Hoheit darüber haben, wann und was ich teilen möchte. Aber es ist ein Prozess! Ich glaube, es gibt keinen Tag, an dem ich nicht darüber nachdenken, was ich jetzt wieder posten könnte.

Du bist in deinen Posts authentisch, also auch mal mit Bad Hair und nicht so gut drauf – war das eine bewusste Entscheidung?

Ja, aber es war auf keinen Fall immer so. Ich hatte früher, so vor vier, fünf Jahren, natürlich auch den Anspruch, dass alles schön dekoriert zu sein hätte und zusammenpassen soll.  Als ich dann nach der Elternzeit wieder zu arbeiten anfing, aber auch später, als mein zweiter Sohn auf die Welt kam und sehr viel forderte, habe ich ganz viel einfach nicht mehr geschafft. Und dann kam ich eines Abends aus dem Kinderzimmer, die Einschlafbegleitung hatte bestimmt zwei Stunden gedauert und ich war total verzweifelt. Im ganzen Haus lagen Klamotten und Spielzeug, in der Küche sah es aus, als ob eine Bombe eingeschlagen hätte. Ich dachte: „Warum fällt es allen anderen so leicht und warum ist es bei mir immer so chaotisch, warum schaffe ich das nicht, warum bin ich nicht gut genug?“ Und diese Gedanken habe ich bei Instagram in einer Story geteilt. Ich dachte, kannste ja teilen, mal Dampf ablassen, ist ja nach 24 Stunden wieder weg. Doch dazu habe ich so viel Zuspruch bekommen und so viel „Danke, endlich sagt es mal jemand!“, dass ich dachte: „Vielleicht ist das genau der Punkt, vielleicht müssen wir gar nicht immer versuchen, alles perfekt zu schaffen, meist mit einem Riesenaufwand. Wir dürfen es uns doch auch leicht machen.“ Das ist aber trotzdem nicht immer einfach – den Anspruch, dass alles möglichst schön ist, den hat man ja trotzdem.

Fühlst du dich verantwortlich für deine Posts? Oder für das, was daraus wird? Wenn z.B. Follower Tipps befolgen und dann alles nach hinten losgeht?

Ich fühle mich nicht für die Gefühle oder das Handeln anderer verantwortlich, weil ich niemandem einen expliziten Ratschlag gebe. Ich erzähle immer nur aus meiner Perspektive. Berichte, was uns geholfen hat, was bei uns funktioniert hat und was nicht, oder wie ich mich bestimmten Thematiken nähere. Aber ich würde niemals sagen: „Mach du das mal so, dann passt das.“ Weil ich selbst die Erfahrung gemacht habe, dass es sooo frustrierend ist, wenn dir jemand sagt „Nur so kann’s gehen, das ist der Weg.“ und dann klappt gar nichts. Natürlich freue ich mich mega, wenn jemand sagt: „Oh cool, das hat mir geholfen, danke!“. Aber wenn das nicht hilft, ist es schade, aber auch nicht mein Anspruch. Was für die eine Familie gut ist, muss es nicht auch für die andere sein. Eine pauschale Lösung gibt es nicht, dazu sind wir, aber auch unsere Werte, Bedürfnisse und unser Leben als und in unserer Familie viel zu unterschiedlich.

Einige deiner Beiträge sind Werbung, das kennzeichnest du ja auch so. Stehst du immer hinter allem, was du bewirbst? Kommen Firmen auf dich zu oder kontaktierst du sie?

Ich arbeite grundsätzlich nicht mit Marken oder Unternehmen zusammen, deren Philosophie oder Ansatz ich nicht teile, das wäre nicht glaubwürdig. Ich bin so ehrlich in meinen Postings und es wäre nicht ehrlich, für etwas zu werben, von dem ich nicht selbst überzeugt bin. Wenn die Unternehmen auf mich zukommen, dann gucke ich mir an, was es ist. Wenn ich es spannend und passend für mich finde, nehme ich es auf. Es gibt aber auch Unternehmen, die ich anschreibe, weil ich einfach glaube, dass deren Produkte zu mir passen oder weil ich sie sowieso benutze und davon berichten möchte.

Was ist dein bester Entspannungstipp?

Ent- was?? Es ist total banal, aber ich versuche tatsächlich, vernünftig zu essen. Okay, auch wenn ich dir gerade erzählt habe, dass ich heute noch nicht gefrühstückt habe, klappt auch bei mir nicht immer. Aber ich versuche tatsächlich, mich so zu ernähren, dass mein Körper möglichst viel nachhaltige Energie daraus ziehen kann. Du hast ja nicht so wahnsinnig viele Stellschrauben, gerade als Mutter mit ganz kleinen Kindern - du kannst eigentlich nur darauf achten, was du isst, dass du einigermaßen gut schläfst, regelmäßig Pausen einlegst, um dich zu erholen (das klingt so leicht und ist so schwer, ich weiß!) und vielleicht noch ein bisschen Bewegung bekommst. Und, auch ganz banal, dieses Durchatmen, wenn es gerade eskaliert oder wenn alles gerade super stressig ist, einfach kurz mal am offenen Fenster stehen und ein paar bewusste Atemzüge nehmen, um den Körper dadurch wieder ein kleines bisschen runterzufahren. Ich versuche auch, mich regelmäßig zu bewegen, ob das nun eine Laufrunde hinten durch die Marsch ist oder mein geliebter Yoga-Kurs einmal in der Woche. Und obwohl wir eigentlich an genau diesen Dingen festhalten sollten, streichen wir in herausfordernden Phasen leider meistens zuerst die, die uns gut tun und die dafür sorgen können, dass wir länger durchhalten. Ich vergleiche das sehr gerne mit dem Leistungssport. Kein Leistungssportler würde dauerhaft auf höchstem Niveau trainieren. Sportler haben verordnete Ruhetage, an denen sie sich wirklich nicht viel bewegen dürfen, damit sie genügend Erholung bekommen und so überhaupt erst zu ihrer Leistung imstande sind. Warum glauben wir also, dass wir das auch ohne Erholung schaffen können, wenn wir nur lang genug die Zähne zusammenbeißen? Was wir als Eltern leisten, ist ja quasi Hochleistungssport. Deswegen versuche ich, diese Punkte für mich im Auge zu behalten Zugegeben gelingt es mir nicht immer, aber ich bin mir dessen dann bewusst und versuche, es wieder in die richtigen Bahnen zu lenken.

Welche Frage wurde dir noch nie gestellt, aber du würdest so gerne endlich darauf antworten?

Vielleicht könnte man mich mal fragen, ob ich jetzt auf der Stelle eine Weltreise machen möchte. So ganz in Ruhe, ein paar Monate, Geld spielt keine Rolle.

Und was würdest du antworten?

„Och nö, das wär nichts für mich, aber schön, dass du fragst.“  Hihi, Spaß beiseite. Natürlich hätte ich da riesige Lust zu. Ich habe gerade „Das große Los“ gelesen und es kribbelt so sehr in meinen Fingern. Am liebsten würde ich direkt unsere Koffer packen… Aber mit einem Schulkind muss das wohl noch ein paar Jahre warten.

Die Fee kommt und sagt, du hast drei Wünsche frei – schüttel mal drei aus dem Ärmel.

Das Wichtigste, gerade zur aktuellen Zeit, ist wohl Gesundheit für meine Lieben und mich und dass wir bestmöglich durch die kommenden Monate kommen. Für meine Kinder wünsche ich mir, dass sie hoffentlich in nicht allzu ferner Zukunft wieder ein freies, uneingeschränkt(er)es Leben führen können, einfach nur Kind sein müssen und ihre Kindheit ohne all diese engen und teilweise unfairen Regeln und Einschränkungen genießen dürfen. Und für all die Mamas da draußen wünsche ich mir, dass sie sich, also wir uns, zukünftig mit mehr Nachsicht und Verständnis entgegentreten, nicht so viel hadern oder hart mit uns ins Gericht gehen, wenn mal etwas nicht so lief, wie wir es uns erhofft hatten. Dass wir an uns glauben und uns Vertrauen schenken und so wieder zu mehr Gelassenheit und Leichtigkeit finden.

Worauf freust du dich in 2022? Was sind deine Pläne?

Wir versuchen stetig, den Podcast zu verbessern und Angebote zu entwickeln, die Müttern eine Unterstützung im Alltag bieten sollen. Z.B. gibt es ja die Mamsterrad Academy mit Webinaren zu bestimmten Themen, das wird im nächsten Jahr weiter ausgebaut – sowohl unsere eigenen Angebote, aber auch die von externen Trainern und Trainerinnen, die dann Themen abdecken, die wir nicht selbst abdecken können oder wollen.

Ja, und sonst? Ich würde so gerne mal wieder wegfahren – so richtig wegfahren! In den Urlaub! In die Wärme! Letztes Jahr wollten wir gerne einen Roadtrip machen, der leider ins Wasser fiel und der dringend noch nachgeholt werden muss. Aber aktuell könnte ich mir auch sehr gut einen Strandurlaub in Spanien vorstellen. Und wenn dieser Mensch mit der Weltreise dann in ein paar Jahren auf mich zukommt und mich bittet, jetzt loszufahren, dann würde ich wohl mal in Richtung Asien düsen und unbedingt auch Australien und Neuseeland mitnehmen. Aber das kommt noch!